Grundlagen des Konzerns

Unternehmensprofil

Bertelsmann ist in den Kerngeschäftsfeldern Medien, Dienstleistungen und Bildung in rund 50 Ländern der Welt aktiv. Die geografischen Kernmärkte umfassen Westeuropa – vor allem Deutschland, Frankreich sowie Großbritannien – und die USA. Darüber hinaus verstärkt Bertelsmann sein Engagement in Wachstumsregionen wie Brasilien, Indien und China. Zu den Bertelsmann-Unternehmensbereichen zählen die RTL Group (Fernsehen), Penguin Random House (Buch), Gruner + Jahr (Zeitschriften), BMG (Musik), Arvato (Dienstleistungen), die Bertelsmann Printing Group (Druck), die Bertelsmann Education Group (Bildung) und Bertelsmann Investments (Beteiligungen).

Die Bertelsmann SE & Co. KGaA ist eine kapitalmarktorientierte, nicht börsennotierte Kommanditgesellschaft auf Aktien. Als Konzernholding übt sie zentrale Konzernfunktionen aus. Die interne Unternehmenssteuerung und -berichterstattung folgen der Unternehmensorganisation, die sich aus den operativen Segmenten und dem Bereich Corporate zusammensetzt.

Die Kapitalanteile der Bertelsmann SE & Co. KGaA werden zu 80,9 Prozent von Stiftungen (Bertelsmann Stiftung, Reinhard Mohn Stiftung, BVG-Stiftung) und zu 19,1 Prozent von der Familie Mohn mittelbar gehalten. Alle Stimmrechte in der Hauptversammlung der Bertelsmann SE & Co. KGaA und der Bertelsmann Management SE (persönlich haftende Gesellschafterin) werden von der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) kontrolliert.

Strategie

Der strategische Fokus von Bertelsmann liegt auf einem wachstumsstarken, digitalen, internationalen und diversifizierten Konzernportfolio. Nach Erreichung wichtiger Meilensteine beim seit 2012 verfolgten Konzernumbau wurde die Strategie weiterentwickelt, um neuen Herausforderungen wie etwa dem wachsenden Wettbewerb durch die US-Tech-Plattformen zu begegnen. Seitdem verfolgt der Konzern fünf Wachstumsprioritäten: Schaffung nationaler Media-Champions, Ausbau globaler Inhaltegeschäfte, Wachstum mit globalen Dienstleistungen, Expansion des Online-Bildungsgeschäfts und Ausbau des Beteiligungsportfolios. Verfolgt wird dabei Wachstum in bestehenden und neuen Geschäftsfeldern sowie durch organische Initiativen und Akquisitionen. Rahmenbedingungen bei der Strategieumsetzung sind Technologie und Daten, Kompetenzstärkung durch gezieltes Upskilling sowie Kooperationen und Allianzen.

Im ersten Halbjahr 2021 erzielte Bertelsmann in allen fünf strategischen Wachstumsprioritäten zahlreiche Fortschritte. Ein wichtiger Schritt zur Bildung nationaler Media-Champions ist die künftige Zusammenlegung von RTL Deutschland und Gruner + Jahr. Auch die angestrebten Zusammenschlüsse von RTL Nederland und Talpa Network in den Niederlanden sowie von Groupe M6 und Groupe TF1 in Frankreich dienen der Schaffung nationaler Media-Champions in den europäischen Märkten. RTL Deutschland stärkte seine Marktposition zuletzt durch die Übernahme der ausstehenden Anteile an Super RTL; G+J verkaufte sein französisches Tochterunternehmen Prisma Media an den französischen Medienkonzern Vivendi. Neben Investitionen und Desinvestitionen sind Kooperationen und strategische Partnerschaften von Bedeutung. So kündigten unter anderem Super RTL und Gulli eine strategische Partnerschaft für den europäischen Lizenzmarkt an und die Spiegel-Gruppe und die UFA vereinbarten eine inhaltliche Zusammenarbeit. Es wurde zudem weiter in den Ausbau der globalen Inhaltegeschäfte investiert. Ein strategischer Meilenstein ist die geplante Übernahme des USBuchverlags Simon & Schuster durch Penguin Random House. Auch Fremantle investierte kräftig und baute unter anderem seine Position auf dem skandinavischen Markt mit der geplanten Übernahme von insgesamt zwölf Produktionsfirmen der Nordic Entertainment Group deutlich aus. BMG und die Beteiligungsgesellschaft KKR kündigten eine Allianz für den Erwerb von Musikrechten an. Auch die globalen Dienstleistungsgeschäfte wurden weiter ausgebaut. Das Customer-Experience- Unternehmen Majorel verzeichnete starkes profitables Wachstum mit seinen globalen Kunden und unterstützte zudem bei der Vergabe von Impfterminen. Arvato Supply Chain Solutions investierte in die Erweiterung und Automatisierung des weltweiten Standortnetzwerks. Arvato Financial Solutions verzeichnete einen positiven Geschäftsverlauf im Bereich Forderungsmanagement sowie mit dem Angebot „Kauf auf Rechnung“ und Arvato Systems baute seine Aktivitäten in den Geschäftsfeldern künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit weiter aus. Die Bertelsmann Printing Group verlängerte bestehende Kundenverträge und gewann für ihr Bonusprogramm DeutschlandCard neue Partner. Darüber hinaus erweiterte Bertelsmann sein Engagement im stark wachsenden brasilianischen Bildungsmarkt. Die Übernahme eines 25-prozentigen Kapitalanteils sowie von 46 Prozent der Stimmrechte an Afya, dem führenden Anbieter für medizinische Aus- und Weiterbildung in Brasilien, stärkt den Bereich der Onlinebildung. Mit 46 Neu- und Folgeinvestitionen im ersten Halbjahr 2021 erhöhte Bertelsmann seine Investitionsgeschwindigkeit im Bereich der Beteiligungen. Zum 30. Juni 2021 hielt Bertelsmann Investments über seine vier internationalen Fonds insgesamt 269 Beteiligungen an Unternehmen und Fonds.

Wertorientiertes Steuerungssystem

Das übergeordnete Ziel von Bertelsmann ist die kontinuierliche Steigerung des Unternehmenswertes über eine nachhaltige Verbesserung der Ertragskraft bei einem gleichzeitig effizienten Kapitaleinsatz. Steuerungskennzahlen im engeren Sinne – hierzu zählen Umsatz, Operating EBITDA sowie der Bertelsmann Value Added (BVA) – dienen der unmittelbaren Beurteilung der laufenden Geschäftsentwicklung und finden dementsprechend Eingang in den Prognosebericht. Hiervon abgegrenzt werden Steuerungskennzahlen im weiteren Sinne verwendet. Zu diesen zählen die EBITDA-Marge sowie die Cash Conversion Rate. Die Steuerungskennzahlen werden teilweise aus sogenannten Alternativen Leistungskennzahlen ermittelt, die nicht nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) definiert sind. Diese sollten nicht isoliert, sondern als vervollständigende Information zur Beurteilung der Geschäftslage von Bertelsmann betrachtet werden. Hinsichtlich detaillierter Erläuterungen hierzu wird auf den Abschnitt „Alternative Leistungskennzahlen“ im zusammengefassten Lagebericht 2020 verwiesen.

Der Umsatz als Wachstumsindikator der Geschäfte erhöhte sich im ersten Halbjahr 2021 um 10,7 Prozent auf 8.691 Mio. € (H1 2020: 7.848 Mio. €). Das organische Umsatzwachstum lag bei 16,6 Prozent. Das Operating EBITDA ist als das Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern, Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen festgelegt und um Sondereinflüsse bereinigt. Die Bereinigungen um Sondereinflüsse dienen der Ermittlung eines nachhaltigen, unter normalen wirtschaftlichen Gegebenheiten wiederholbaren operativen Ergebnisses, das nicht durch Sondersachverhalte oder strukturelle Verwerfungen beeinflusst wird. Zu den Sondereinflüssen zählen im Wesentlichen Wertminderungen und Wertaufholungen, Bewertungen zum beizulegenden Zeitwert, das Ergebnis aus Beteiligungsverkäufen und/oder Restrukturierungsaufwendungen. Hiermit eignet sich das Operating EBITDA als aussagekräftige Steuerungsgröße. Im Berichtszeitraum erhöhte sich das Operating EBITDA auf 1.417 Mio. € (H1 2020: 994 Mio. €).

Der BVA ist die Steuerungskennzahl zur Beurteilung der Ertragskraft des operativen Geschäfts und der Rentabilität des investierten Kapitals. Der BVA misst den über die angemessene Verzinsung des investierten Kapitals hinaus erwirtschafteten Gewinn. Diese Form der Wertorientierung findet sowohl in der strategischen Investitions- und Portfolioplanung als auch in der operativen Geschäftssteuerung ihren Ausdruck und bildet zusammen mit qualitativen Kriterien die Grundlage für die Bemessung des variablen Anteils der Managementvergütung. Der BVA berechnet sich aus der Differenz von Net Operating Profit After Tax (NOPAT) und Kapitalkosten. Ausgangsbasis zur Berechnung des NOPAT ist das Operating EBITDA. Unter Abzug von nicht in den Sondereinflüssen enthaltenen Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen und Nutzungsrechte in Höhe von 415 Mio. € (H1 2020: 436 Mio. €) ergibt sich das Operating EBIT. Um den für die BVA-Berechnung zugrunde gelegten NOPAT von 702 Mio.  € (H1 2020: 391 Mio. €) zu ermitteln, wurde ein pauschalisierter Steuersatz von 30 Prozent berücksichtigt. Die Kapitalkosten entsprechen dem Produkt aus durchschnittlich investiertem Kapital und Kapitalkostensatz. Das durchschnittlich investierte Kapital belief sich auf 15,8 Mrd. € zum 30. Juni 2021 (H1 2020: 16,4 Mrd. €). Der Kapitalkostensatz beträgt einheitlich 8 Prozent nach Steuern, womit sich Kapitalkosten für den halbjährigen Berichtszeitraum in Höhe von 630 Mio. € ergeben (H1 2020: 657 Mio. €). Das durchschnittlich investierte Kapital ergibt sich quartalsweise aus den Vermögenspositionen der Bilanz, die dem operativen Betriebszweck dienen, abzüglich solcher Verbindlichkeiten, die dem Unternehmen unverzinslich zur Verfügung stehen. Im ersten Halbjahr 2021 verbesserte sich der BVA auf 121 Mio. € (H1 2020: -222 Mio. €). Die Ermittlung des BVA erfolgt ohne Berücksichtigung des Unternehmensbereichs Bertelsmann Investments, da die Geschäftsentwicklung hier im Wesentlichen auf Basis des EBIT dargestellt wird. Somit ergibt sich methodisch kein NOPAT-Beitrag dieses Unternehmensbereichs. Aus Konsistenzgründen wird das auf den Unternehmensbereich Bertelsmann Investments entfallende investierte Kapital daher korrigiert, seine Kapitalkosten werden mithin neutralisiert.

Das finanzielle Steuerungssystem von Bertelsmann ist definiert durch die internen Finanzierungsziele, die im Abschnitt „Finanzund Vermögenslage“ dargestellt werden. Diese Grundsätze zur Finanzierung werden bei der Steuerung des Konzerns verfolgt und fallen unter das wertorientierte Steuerungssystem im weiteren Sinne. Die ermittelten Finanzierungs- und Verschuldungskennzahlen zählen ebenfalls zu den Alternativen Leistungskennzahlen.